Die «Kongsnaes», die Kaiserliche Matrosenstation im norwegischen Drachenstil am Potsdamer Jungfernsee, öffnet diesen Donnerstag ihre Pforten für Gäste aus Potsdam, Berlin und aller Welt. Langjährige und millionenschwere Wiederaufbau- und Renovierungsarbeiten haben die Kongsnaes zum wertvollsten Juwel der noblen Gegend gemacht.

Betreiber der Lokalität ist Josef Laggner, Chef von fast zwei Dutzend Restaurants in Spitzenlagen. Der österreichische Gastronom schwärmt anlässlich der Eröffnung: «Ich arbeite ja ausschließlich mit 1A-Lagen. Außer diesmal: Denn die Kongsnaes ist die absolute 1AAA-Lage!» Die Kongsnaes wird als gutbürgerliches Restaurant und als Bar geführt. «Wir werden fischlastig sein», erklärt Laggner das Konzept. Direkt am Wasser des Jungfernsees gelegen, mit eigener Bootsanlegestelle, großzügigen Terrassen und schier unbeschreiblicher Aussicht, liegt die Kaiserliche Matrosenstation nahe am Park Sanssouci und ist nur ein paar Gehminuten von der Glienicker Brücke entfernt, weltberühmt für den Ost-West-Agentenaustausch.

Der norwegische Begriff für die Königliche Landzunge

Die Geschichte des Hauses spiegelt ein Stück europäische Geschichte wider. Als der deutsche Kaiser Wilhelm II. 1890 einen Staatsbesuch in Norwegen absolvierte, war er von der damals in Mode gekommenen norwegischen Holzbaukunst im Drachenstil so begeistert, dass er den Architekten Holm Hansen Munthe auch für Deutschland engagierte. Die Kaiserliche Matrosenstation wurde das repräsentativste Objekt, die Gebäudeteile wurden in Norwegen vorgefertigt und in Potsdam aufgebaut. Die sogenannte Ventehalle diente als Wartehalle beim Ab- oder Anlegen der Schiffe für die Vergnügungs- und Repräsentationsfahrten der kaiserlichen Familie.

Die Ventehalle war bis auf die Grundmauern zerstört

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs brannte die Ventehalle aus und war bis auf die Grundmauern zerstört. Seit dem Bau der Grenzanlagen der DDR 1961 war das Gelände für die Öffentlichkeit gesperrt, da es im Todesstreifen lag. Erst seit der Grenzöffnung 1989 ist der Zugang zum Jungfernsee wieder möglich. Der Investor Michael Linckersdorff kaufte der Stadt Potsdam das Areal ab, machte sich an den originalgetreuen Wiederaufbau, erfüllte mit immensen Kosten alle Denkmalschutzauflagen und fand im vergangenen Februar in Josef Laggner den geeignetsten Mieter für das gastronomische Kleinod. Linckersdorff und Laggner investierten insgesamt mehr als drei Millionen Euro.

Kein Schließtag im Sommer

Der Mietvertrag läuft über zwanzig Jahre. Mit Rücksicht auf die Anrainer, die zunächst Lärmbelästigung und Verkehrschaos befürchteten, gibt es Einschränkungen. Die Zahl der Sitzplätze innen ist auf 92 limitiert, draußen auf 30. Sperrzeit ist 23 Uhr. Die Zahl der Sonderveranstaltungen (für die bei Gästezahl und Uhrzeit keine Begrenzung gilt) ist auf zehn pro Jahr limitiert. Im Sommer wird es keinen Schließtag geben. Im Winter wird voraussichtlich der Montag ein Ruhetag sein.